Hovawarting
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An der Wahnbach-Talsperre  (Juli 2008)

Haloa liebe Zwei- und Mitvierbeiner,
ich bin’s wieder, Euer Joschi und ich erzähle Euch heute eine Geschichte von 50 Jahren See, Wasser, Strand, der damit verbundenen Theorie und der erlebten Praxis.
Okay, das klingt zugegebenermaßen kompliziert, aber was erwartet man sonst von einem Hovi?
Es fing alles an, wie immer. Die Rudelzweibeiner packten mich und ihr Geraffel frühmorgens ins Auto und wir fuhren weg. Mangels Zeitgefühls weiß ich zwar nicht, wie weit, aber ich war nicht sehr erschöpft.
Herrchen war richtig aufgeregt; er hatte nicht den üblichen Rucksack mit und er erklärte den Kindern immer etwas von einer Talsperre.
Das Wort kannte ich. Das bedeutet ganz viel Wasser, viele Gerüche und andere Hunde, die dort herumlaufen. Als wir losgegangen sind, gab’s von letzteren auch schon viel zu schnüffeln -kurzfristig jedenfalls- denn meine Blase war voll und ich voller Tatendrang. Nur Frauchen fand das nicht so toll und zerrte mich weiter. Immer haben die es eilig, wenn mich mal etwas interessiert. Das Herrchen läuft übrigens immer weit voraus. Er glaubt, dann gehen alle schneller. In Wirklichkeit ärgert er damit nur Frauchen.
 
Nachdem es so ewig lange bergab gegangen ist, kamen wir endlich im Tal an. Komische Gegend! Da war nur ein Bach neben dem Weg, den ich die ganze Zeit gehört habe und noch einer unten im Tal. Von wegen Talsperre! Es sah aus, wie im Steinbruch, nur roch es ganz anders. Und das Tal war gar nicht zugewachsen. Bäume waren da auch keine; nur Stümpfe, Wiese und so kleine komische Pflänzchen. Achja, der Boden hatte Risse und war stellenweise weich. Und unter Strand versteh ich etwas anderes!
 
So liefen wir am Talrand entlang und irgendwann kamen wir an eine Brücke. Die roch auch ganz komisch; irgendwie feucht und alt. Herrchen erzählte den Kleinen etwas von „50 Jahren unter Wasser“ und „gut erhalten“. Ich fand, der Bach darunter sah aus, wie ein stinknormaler Bach. Dann ist Herrchen runtergeklettert und hat „fotografiert“. Das ganze Rudel musste sich oben aufstellen und runtergucken.
 
Überhaupt hat Herrchen das die ganze Zeit gemacht. Klack, klack, klack machte das glänzende Ding, das der sich dauernd vors Gesicht hielt.
Zweibeiner sind schon komisch!
Apropos komisch - bis jetzt hatten wir erst einen fremden Zweibeiner gesehen.
 
Nachdem das Tal ein Stückchen weiter zu Ende war, sind wir wieder zurück gegangen. Aber nicht zurück zum Auto, sondern weiter in die andere Richtung im Tal. Da war noch eine kleine Brücke, und „Fundamentreste“. Herrchen erzählte den Kleinen etwas von einer „Mühle“ und von einem „Hof“.
Hier war auch ein richtiger Weg; wie eine Straße, aber am Rand waren merkwürdige Steine auf einem Rohr. Und Erde in Tüten lag da. Hier kamen uns ab und zu fremde Zweibeiner entgegen. Die sagten alle „guten Tag“ und Herrchen und Frauchen redeten mit denen.
 
Ich fand das langweilig. Kein Baum zum Pinkeln, keine Laterne, kein Schild - nix. Hmm, naja - fast nix! Ein Ding war da, das hätte ein Schild sein können, aber es sah anders aus und roch auch komisch - das hab ich darum sicherheitshalber nicht markiert. Auch hier sagte Herrchen wieder „50 Jahre unter Wasser“ und hat klack, klack, klack das Ding von allen Seiten fotografiert.



Die ganze Zeit ging das so. Herrchen zeigte hierhin und dorthin und alle guckten, obwohl da nix aufregendes war. Nur altes Zeug. Wenn der ein rundes Gummiding im Wald sieht, macht er nicht so ein Aufheben darum.
Es dauerte nicht lange, da wurde der Weg für Zweibeiner schlechter. In meinem Rudel mag nämlich niemand Schlamm - außer mir! Die Zweibeiner gehen da so komisch und rutschen weg. Besonders die zwei Kleinen. Die stecken die Hinterpfoten immer in Stoff- oder Hauttüten. Da können die ihre Krallen nicht nutzen. Herrchen und Frauchen machen das auch, aber die haben sowas wie Krallen drunter. Überhaupt kommen Zweibeiner  nicht ohne Zeug aus. Morgens wickeln sie sich ein und Abends wieder aus. Wenn sie raus gehen, stecken sie die Pfoten in besagte Tüten. Wasser nehmen sie immer mit, auch wenn es genug Bäche gibt. Ach, da könnte ich Sachen erzählen, aber das würde zu weit führen.
Ich hab Vierbeinantrieb und mehr brauche ich nicht. Schlamm - wie für mich gemacht! Natürlich bin ich auch sofort durchgestartet.  

Wisst ihr, was total viel Spaß macht? Wenn man so einen Weg hat, also total verschlammt, wo man fast bis zum Bauch einsackt. Dann nimmt man erstmal ein solides Schlammbad. Und dann, wenn man so richtig gut aussieht, dann tut man so, als wolle man mit dem Rudel spielen. Zweibeiner lieben das, wenn sie versuchen, das Gleichgewicht zu halten und aufpassen müssen, wo sie hintreten, damit sie nicht einsinken oder wegrutschen. Da rennt man voll auf sie los.
Boah, werden die dann fuchsig. Vor denen schlägt man dann einen kleinen Haken und läuft dann immer schön knapp vorbei, dass es nur so spritzt. Keine Sorge, die greifen nicht zu. Dann verlieren die nämlich das Gleichgewicht und fallen in den Schlamm. DAS wollen die nicht.



Leider haben die Spielverderber dann umgedreht, als es zu schlammig wurde.

Trotzdem hat es der Kleinste nicht geschafft und sich dreimal hingelegt. Der sah fast so schön aus, wie ich.
Hier würde ich gern mal mit Mara toben…
 
Wir sind dann den ganzen Weg zurückgelaufen; bis zum Bach, den ich eingangs erwähnte. Dort hat Frauchen mich gebadet. Und reinlegen musste ich mich für ein Foto. Wie ihr wisst hab ich’s ja nicht soooo sehr mit Wasser, aber es war mittlerweile recht heiß und die Abkühlung kam mir gerade recht.



Warum der Kleine nicht baden musste, obwohl der genauso schlammig war, verstand ich allerdings nicht!
 
Danach ging es zurück zum Auto; d.h. den ganzen langen Berg wieder hinauf. Oben war ich wieder fast trocken. Zum Glück hatte Frauchen im Schatten geparkt.
Als ich dann auf meiner Decke lag, sah ich klarer. Frauchen hat den Kleinen einfach ausgewickelt und ins Auto gesetzt. Deshalb musste der nicht baden.
 
Dann sind wir noch ein Stück gefahren und Herrchen ist mit Frauchen nochmal weggegangen. Ich hab im Auto die Kleinen bewartet. Das war gut, denn im Schatten war es kühl und ich war müde.
 
Frauchen kam dann schnell wieder. Nur auf das Herrchen mussten wir noch lange warten. Und als der wiederkam erzählte er von einer „dritten Brücke“ und einer „Halbinsel“ und wo er noch überall war. Achja - Wasser soll da auch gewesen sein. Eben eine Talsperre. Die konnte ich aber auch hier aus dem Auto sehen.
 
Naja, dem Rudel hat es anscheinend gefallen, durch eine Talsperre ohne Wasser zu laufen und sich altes Zeug anzugucken. Ich hatte jedenfalls meinen Schlammspaß! Und ich kann Euch nur raten, dahin zu fahren. Bis September wird es wohl noch gehen, dann - so sagt Herrchen - wird in dem Tal wieder Wasser sein und alles ist verschwunden.
 
Schöne Ferien wünscht
Joschi